Wie lassen sich angewöhnte, rückenunfreundliche Ve
Rückenunfreundliche Verhaltensweisen
Wie lassen sich angewöhnte, rückenunfreundliche Verhaltensweisen ändern?
Ziel der Rückenschule ist der Aufbau wirbelsäulengerechter Bewegungsformen und Körperhaltungen und die selbständige Anwendung im individuellen Alltag und Beruf. Diese Bewegungsformen sind motorische Verhaltensweisen, die im Erwachsenenalter über Jahrzehnte täglich vielfach ausgeführt werden, ohne dass es jemals zu Schmerzen gekommen ist. Dadurch wird das rückenbelastende Verhalten zu einer stark änderungsresistenten Gewohnheit. Es reicht daher in aller Regel nicht aus, Patienten nur über die Inhalte der Rückenschule zu informieren.
Das neue, rückenfreundliche Haltungs- und Bewegungsverhalten muss vielmehr ganzheitlich, d. h. gleichzeitig auf folgenden Ebenen geschult werden:auf der Erkennungs- auf der Bewegungs-
auf der Gefühls sowie auf der Gesellschaftsebene und durch bewährte Verfahren der Verhaltensveränderung, z. B. der systematischen Selbstbeobachtung, ergänzt werden.
Quelle:
Dr. Anne B. Flothow, Diplom-Psychologin, Hamburg
Kann Stress Rückenschmerzen auslösen
Zu den häufigsten Ursachen für eher schleichend beginnende Rückenschmerzen zählt eine langanhaltende Anspannung der Rückenmuskulatur. Diese entsteht durch "Stress", d. h. durch erhöhte, vor allem psychische Belastungen. Das Ziel der Rückenschule besteht darin, die Teilnehmer für die drohende schmerzhafte Verspannung der Muskulatur zu sensibilisieren und geeignete Verfahren der Entspannung, z. B. die Progressive Muskelrelaxation nach JACOBSON zu trainieren. Darüber hinaus sollten Verfahren aus psychologischen Stressbewältigungsverfahren integriert werden.
Quelle:
Dr. Anne B. Flothow, Diplom-Psychologin, Hamburg
Bandscheibenoperation
Wann ist eine Bandscheibenoperation empfehlenswert bzw. erforderlich?
Bei der Diskussion um ein solches Vorgehen dürfen keine diagnostischen Zweifel bestehen: Das Befinden des Patienten, sein klinischer Befund und die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren müssen passen.
Grundsätzlich ist nicht operatives Vorgehen angezeigt. Aktiv eingreifen muss man, wenn doppelseitige Symptome mit Blasen- und Mastdarmstörungen vorliegen.
Man sollte operatives Verfahren empfehlen, wenn konservative Maßnahmen ohne Erfolg bleiben, einseitige Lähmungen oder Schmerzen vorhanden sind, die sich nicht beeinflussen lassen und die der Patient nicht tolerieren kann.
Über 100.000 Patienten pro Jahr lassen sich allein in Deutschland an den Bandscheiben operieren. „Das sind viel zu viele Eingriffe“, warnt die Wirbelsäulenliga e.V. „Operiert werden sollte nur, wenn es wirklich nötig ist“.
Zunächst sollten alle konservativen Behandlungsverfahren zum Einsatz kommen, welche die moderne Orthopädie bietet. Das beginnt mit Manualtherapie, Physiotherapie und Schmerzmitteln. Dann kommen Injektionsbehandlungen, die teilweise unter Röntgenkontrolle durchgeführt werden und Infusionen. Klingen die Beschwerden trotz aller Maßnahmen nach einigen Wochen immer noch nicht ab, empfehlen wir den Wirbelsäulen-Katheter, die Lasertherapie der Bandscheibe oder die Behandlung mit der Hitzesonde. Erst wenn das alles nicht hilft oder wenn zusätzlich zu den Schmerzen bereits Lähmungen an Armen, Beinen oder sogar Blasen- und Mastdarmstörungen auftreten, ist der richtige Zeitpunkt für einen operativen Eingriff.“
Quelle:
Prof. Dr. med. E. Schmitt, Facharzt für Orthopädie, Stand: Mai 2001